Die Nachricht hat in Bad Birnbach und weit darüber hinaus große Trauer ausgelöst: Geistlicher Rat Johann Schoßleitner ist tot. Er starb gestern im Alter von 82 Jahren.

Dass es in den letzten Wochen um den Gesundheitszustand des Geistlichen nicht immer gut bestellt war, wusste man. Dennoch kam für viele die Meldung mehr als überraschend. Geboren wurde Johann Schoßleitner in Waldzell in Österreich. Dort wuchs er auch auf. Seine Heimat hat er nie vergessen. Immer wieder kehrte er an seinen Geburtsort und zu seinem Elternhaus zurück, auch um Land und Leute zu treffen. Der junge Johann Schoßleitner besuchte in Linz das Gymnasium, begann dort ein Theologiestudium, das er in Passau vollendete. Am 29. Juni 1962 wurde er in der Domstadt zum Priester geweiht. Seine erste Station als Kaplan war in Burgkirchen am Wald. Es folgten weitere Stellen als Kooperator in Hart an der Alz, Osterhofen, Pocking und Schöllnach. 1969 schließlich wurde Schoßleitner Pfarrer in Bischofsreut, 1974 dann in Triftern und 1993 in Bad Birnbach. Hier wirkte er bis zum 30. November 2007 im Pfarrverband, der damals noch aus dem Kurort und der kleinen Pfarrei Kirchberg bestand. Bad Birnbach war Johann Schoßleitner immer wichtig, und so legte er großen Wert auf die Kurseelsorge. Als er 2007 in den Ruhestand ging, entschied er sich, mit seiner Haushälterin Maria Lindinger in Bad Birnbach zu bleiben. Für den neuen Pfarrer Dr. Wolfgang Schneider erwies sich das bald als glücklicher Umstand, denn als Ruhestandsgeistlicher übernahm der Verstorbene weiterhin einen wichtigen Part der seelsorgerischen Arbeit. Dies wurde umso bedeutender, als sich der heute bestehende große Pfarrverband abzeichnete. Zunächst kam Hirschbach dazu, nach dem Tod von Pater Josef auch die beiden Pfarreien Bayerbach und Asenham. Als Schoßleitner vor zwei Jahren seinen 80. Geburtstag feierte, suchte er sich seinen Nachfolger als Prediger aus. Als Thema gab er ihm den „Priesterlichen Dienst“ mit auf den Weg. „Es kommt für einen Priester darauf an, für Jesus einzustehen, für ihn da zu sein, und nicht um ihn zu ersetzen“, sagte Schneider damals. Für Jesus einstehen, das tat Johann Schoßleitner jede Minute, jede Sekunde. „Wir hatten Wind in den Segeln, als wir vom Generalvikar des Bischofs ausgesandt wurden“, sagte er bei seinem 50-jährigen Priesterjubiläum rückblickend. Schoßleitner selbst bezeichnete sich selbst einmal als „Paulus-Fan“. Paulus sei ein Apostel gewesen, der im Leben stand.

Auch im gesellschaftlichen Leben spielte Johann Schoßleitner eine wichtige Rolle. Er suchte stets das Gespräch mit den Menschen, war sich aber auch in diesem Umfeld nicht zu schade, Verantwortung zu übernehmen, wenn Not am Mann war. So trug es sich zu, dass er über viele Jahre hinweg als Jagdvorsteher in der Bad Birnbacher Jagdgenossenschaft umsichtig tätig war und zu Jägern wie Jagdgenossen beste Beziehungen pflegte. Die politische Heimat fand er in der CSU, der er viele Jahrzehnte angehörte. Es gehörte für ihn dazu, in demokratische Prozesse seine Meinung einzubringen. Auch den Stammtisch beim Wasner besuchte Johann Schoßleitner gerne. Für seine vielen Verdienste in der kirchlichen und politischen Gemeinde wurde ihm schon vor Jahren der Ehrenring verliehen – die zweithöchste Auszeichnung in der Kommune.

Betroffenheit über den Tod des Ruhestandsgeistlichen herrschte gestern in den beiden Gemeinden Bad Birnbach und Bayerbach. „Er war ein Pfarrer, der sich auf die Seite der Menschen stellt, auch wenn er bei der Obrigkeit einmal aneckt“, sagte Bürgermeister Josef Hasenberger einmal. Neben den seelsorgerischen Qualitäten hob der Rathauschef auch die eines Baumeisters hervor. Unter anderem wurde in seiner Zeit das Pfarrheim Bruder Konrad verwirklicht.

 

Viktor Gröll