Es war ein emotionaler und bewegender Abschied von Dekan Dr.Wolfgang Schneider. Die Sitzplätze in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt reichten bei weitem nicht aus, um dem Besucherandrang gerecht zu werden. Eingangs machte der Geistliche deutlich, wer wirklich im Mittelpunkt steht: Jesus Christus. „Was predigt man, wenn man geht“, fragte er und schickte die Antwort gleich hinterher. Er erinnerte an seinen Primizspruch: „Meine Gnade genügt Dir. Sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“. Sätze, die wahrer seien, als einem oftmals lieb sei. Er habe beides erfahren. Grenzen, aber auch, wie in engen Grenzen vieles möglich werde. Glaube sei kein Besitz, sondern ein Weg, eine Herausforderung. Deshalb sei ihm der Apostel Thomas so nahe mit seinem Suchen und Zweifel, mit dem Finger die Wunde berührend.

Einmal mehr kritisierte er den rücksichtslosen Verbrauch der Schöpfung als „menschliche Unmöglichkeit“, die den Glauben in Frage stelle. Sein Appell: „Wir dürfen, wir können nicht aufgeben, sondern dürfen und müssen festhalten an der Hoffnung, die uns erfüllt“. Der Weg Gottes sei der von Mensch zu Mensch, der gemeinsame Weg als Glaubensgemeinschaft. „Menschen, die einen annehmen wie man ist, die sich das Evangelium und Jesus Christus zu Herzen gehen lassen. Das seid ihr, mit denen ich unterwegs sein durfte“, sagte er. Dass es weitergeht, machte Schneider an der Aufnahme dreier junger Ministrantinnen deutlich. Isabell Brodschelm, Isabel Feldl und Sophie Haslinger wurden von den Oberministranten herzlich begrüßt und von den Gläubigen mit großem Applaus bedacht. Doch das Abschiednehmen war noch nicht vorbei. Nach einem Jahr verlässt Pfarrvikar Roland Burger die Pfarrei wieder, um ab September die Kur-und Klinikseelsorge in Bad Griesbach anzutreten. Durch seine Mitarbeit in diesem Übergangsjahr habe er geholfen, dass Pater David Gabriel in die deutsche Sprache und in den Dienst als Pfarrvikar in Bad Birnbach hineinwachsen konnte. Schneider dankte Burger für dessen vielfältige Arbeit. Auch Oberministrant Johannes Zauner wurde verabschiedet. Er ministrierte seit 2006 und war seit 2013 „zuverlässiger, ideenreicher Ministrant und Oberministrant, langjähriger Organisator von Sternsingern und Ratschengehern – einfach ein Superkerl“, lobte Schneider. Für den Markt dankte 2. Bürgermeister Franz Thalhammer Dekan Dr.Wolfgang Schneider für seine zehneinhalb Jahre andauernde Tätigkeit. Er verwies auf die enge Zusammenarbeit und nannte den Meditationsweg, die Bruder-Konrad-Broschüre oder das Erntedankfest als Beispiele, die längst ein Stück ländliches Bad geworden seien. Schneider sei Dekan und Geistlicher Rat geworden, „aber du bist einer von uns geblieben, der Wolfgang“, so Thalhammer. Bayerbachs Bürgermeister Josef Sailer erinnerte daran, dass Schneider, der ursprünglich 2007 „nur“ die Pfarreien Bad Birnbach und Kirchberg übernommen hatte, den großen Pfarrverband zusammenführte, dem nun auch Bayerbach, Asenham und Hirschbach angehören. Hochachtung und Wertschätzung bringe man ihm entgegen, „auch wenn es mit uns manchmal nicht einfach war“, meinte Sailer. Schneider habe die
Menschen mitten im Leben abgeholt. „Das alles kann nur, wer glaubt, waser tut“, meinte der Rathauschef. Für die fünf Pfarreien übernahm Bad Birnbachs PGR-Vorsitzende Dagmar Feicht die Abschiedsworte. Für viele sei Dekan Dr. Wolfgang Schneider nicht nur Pfarrer gewesen, sondern zum guten Freund geworden. Er habe in kurzer Zeit den großen Pfarrverband geschmiedet, der aus fünf lebendigen Pfarreien bestehe. Feicht erinnerte an die Arbeit mit der Jugend ebenso wie mit den Senioren, an die groß gewordene Schar der Ministranten im Pfarrverband. Zuletzt habe die gemeinsame Romfahrt gezeigt, welch tolleGemeinschaft gewachsen sei, „und der Pfarrer mittendrin“. Auch auf die Firmung mit 16 ging sie ein.
Den Gottesdienst zelebrierte Schneider gemeinsam mit Geistlichem Rat Johann Schoßleitner, Diakon Mario Unterhuber, Pfarrvikar Roland Burger und Pater David Gabriel. Die musikalische Gestaltung übernahmen Dr. Hannelore Putz (Orgel) und Pastoralassistentin Teresa Aigner. Ministranten aus allen fünf Pfarreien wirkten mit. Als Geschenke erhielt Schneider Fotoalben, das hatte er sich so gewünscht. Am Ende lud er in den Pfarrgarten, wo viele die Gelegenheit nutzten, sich nach einer gemeinsamen Brotzeit ganz persönlich von ihm zu verabschieden. Zuvor dankte er allen, die mitgearbeitet haben, egal an welcher Stelle. Schneider: „Es waren intensive, schöne, herausfordernde zehneinhalb Jahre. Vergelt’sGott“.

Viktor Gröll