Was für ein Festtag – kirchlich, wie auch weltlich gesehen. Das diesjährige Patrozinium an Maria Himmelfahrt wird wohl als ein außergewöhnliches in bester Erinnerung bleiben.
Schon vor dem Gottesdienst hatte es sich abgezeichnet: Es wird eng in der Pfarrkirche. Viele konnten nur noch einen Stehplatz ergattern. Das ging so weit, dass etliche Besucher den Gottesdienst durch die weit geöffneten Kirchentüren im Freien verfolgten. Drinnen dankte Dekan Dr. Wolfgang Schneider als erstes dem Seniorenclub fürs Binden der Kräuterbuschen. „Wir haben den Geschmack des Festtages schon in der Nase“, sagte er – und leitete auf die Geschichte über, die sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst ziehen sollte.

Das Märchen vom Teufel und den drei goldenen Haaren zog der Geistliche heran, das Märchen um ein Menschenkind, das mit Glückshaut auf die Welt kommt und drei goldene Haare braucht, um mit der Königstochter vermählt zu werden. Die Suche des Teufels nach Menschenfleisch aus dem Märchen projizierte Schneider in die Gegenwart und bezog sich auf eine Vielzahl aktueller Themen, verband dies aber gleichzeitig mit einer Warnung: „Die Menschenverderber sind im Nachhinein schnell benannt, im Leben aber haben sie oft viele Anhänger. In jeder Hölle gibt es nicht nur einen Oberteufel.“
An dieser Stelle leitete er zur Gottesmutter Maria über. Sie sei – wie es auch ein Altarbild zeigt – im Kreise der Apostel gestorben. Tief betrauert von diesen wurde sie in ein Felsengrab gelegt. Tags darauf war sie dort nicht mehr zu finden, dafür ein kräftiger Wohlgeruch von Kräutern und Blumen wahrzunehmen. „Die Legende bringt es auf den Punkt, was ein Mensch sein kann: ein Wohlgeruch“, sagte Dekan Dr. Schneider. Die Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt würden zeigen, wie heilsam wir sein sollen. Deshalb gelte es, Geschmack am Leben zu finden und ein Wohlgeruch zu sein, und nicht „anderen zu stinken“, wie er verdeutlichte. Seine Empfehlung lautete, zu versuchen, wie Maria zu handeln, aus der Hoffnung zu leben und „am tiefsten Geheimnis dieses Festes zu rühren“.

Dekan Dr. Wolfgang Schneider hatte an diesem Tag vielen zu danken, etwa dem Kirchenchor unter Leitung von Claus Gerleigner und Organist Markus Neumayer für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes, den Mesnern, den zahlreichen Ministranten und dem rund 120 Personen umfassenden Helferteam um Alois Dobler, die das nachfolgende Fest im Pfarrgarten möglich machten.

Zwei Personen hob Schneider an diesem Tag besonders hervor und überreichte den diesjährigen Ehrenamtspreis der Pfarrei. „Es geht um zwei Mesnerinnen, die Gottesdienste vorbereiten und nachbereiten, die Kirchen sauber halten, auf- und zuschließen und stets ein wachsames Auge auf die Bausubstanz halten“, sagte er und vergaß auch nicht, ihre Mitwirkung an den jeweiligen Kirchenfesten hervorzuheben. Während die eine – Hermine Steinschnack aus Lengham – einer wahren Mesnerdynastie entstamme und den Dienst quasi schon von der Mutter übernommen habe, sei die andere – Marianne Nöbauer aus Schwaibach – seit 22 Jahren fest eingebunden.

Wie Schneider sagte, sind in beiden Fällen auch die Familien sehr engagiert. Unter großem Beifall der Gottesdienstbesucher überreichte er mit Kirchenpfleger Hermann Müller und PGR-Vorsitzender Dagmar Feicht Bilder von Bernhard Gerner, welche die Filialkirchen St. Ulrich in Lengham und Peter und Paul in Schwaibach zeigen.
Dann ging es in den Pfarrgarten, wo unter herrlichen Bedingungen ein schönes Fest gefeiert werden konnte. Die ganze Woche über wurde aufgebaut, im Garten und Pfarrheim. Was folgte, war ein riesiger Ansturm, den das ehrenamtliche Team aber mit großem Einsatz bestens bewältigte. Übers Mahl spielte die Blaskapelle Gerleigner, am Nachmittag und Abend dann die „Hirschegg-Buam“.
Auch heuer gab es wieder einen gut bestückten Flohmarkt, der viele Liebhaber anzog. Ein buntes Programm für Kinder und ein Freiluftkino für Jugendliche und junge Erwachsene durfte ebenfalls nicht fehlen – ganz zu schweigen von den kulinarischen Höhepunkten des Pfarrfestes, die vom Steckerlfisch bis zum Bratl mit Kraut und Knödl reichten. 

Viktor Gröll