Seit 2017 wird die Wallfahrtskirche Langwinkl saniert. Jetzt stehen die Arbeiten auch im Innenbereich kurz vor dem Abschluss. Die Frage bleibt, ob sie auch im Chorraum eine Fortsetzung finden. Letztlich ist es wohl eine Frage der Finanzen.

Doch zunächst ein Blick zurück: Das Gotteshaus hat die Menschen immer bewegt. Das begann schon mit der Entstehung, die man Johann Grienwald, dem stumm geborenen Schmiedssohn aus Salzburg. verdankt. Er fand auf der Anhöhe von Langwinkl ein Marienbild und erlangte später die Sprache. Also gelobte Grienwald, dort eine Kirche zu bauen.

Zunächst entstand um 1640, also noch mitten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, eine Holzkapelle. Schon bald wurde aber mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen. Diese wurde ein wahres Schmuckstück, auch dank der Arbeit des Graubündener Baumeisters Bartolomeo Viscardi, der einst die Pläne gefertigt hat.

Die reichen Stuckaturen im Inneren modellierten um 1685 Paolo d’Allio und Giovanni Battista Carlone, die Fresken des Presbyteriums dürfte der Passauer Maler Carl Adam geschaffen haben. Das große Deckengemälde der Himmelfahrt Mariens im Langhaus fertigte Antonius Perdold 1693 auf Leinwand. Davon zeugt übrigens eine Signatur, die der Meister samt Jahreszahl angebracht hat.

Erst wenn man mit Hilfe eines Gerüstes unmittelbar unter dem wertvollen Stuck und dem prächtigen Deckengemälde steht und den Ausführungen der Experten lauscht, wird deutlich, welche Leistung der Meister damals – auch gemessen an den technischen Möglichkeiten- tatsächlich vollbracht hat.

Zunächst einmal überwiegt aber die Ehrfurcht vor dem Werk großer Meister. „Alleine die Qualität der Stuckierung ist etwas besonders“, erklärt Herbert Haug. Der Restaurator und Stuckateur aus dem Allgäu musste aber auch selbst alle Register ziehen. „Unter dem Stuck sind Schilfrohr-Träger, die waren nicht mehr ganz ideal“, beschreibt er den filigranen Aufbau. Ähnliches gibt es für die riesige Leinwand, die natürlich auch ein enormes Gewicht aufweist. Teile des Stucks wurden kurzerhand ausgebaut und später wieder eingebaut. „Vor drei Monaten haben wir von hier aus noch das Dach gesehen“, sagt Haug.

Dann kamen noch die massiven Schwammschäden dazu. Kirchenmaler Josef Kreilinger hat keinen so weiten Weg zur Baustelle, er kommt aus Bad Höhenstadt. Nachdem die Stuckateure ihre Arbeit getan haben, begann er mit seinen Mitarbeitern, zunächst Risse mit einem Kalk-Sand-Schweiß zu schließen. Dann folgte die Oberflächenreinigung, und nun steht natürlich noch der Feinschliff an. Marmorkalk kommt zum Einsatz, für die historisch korrekte Farbgebung sorgen spezielle Pigmente.

Wie Kreilinger erläutert, werden nun Musterachsen angelegt. Hintergrund dafür war ein wichtiger Termin, an dem unter anderem das Denkmalamt teilnahm. Es geht um die Frage, ob auch der Chorraum noch gereinigt und ausgebessert wird. Der ist in der aktuellen Maßnahme nicht enthalten. „Allerdings haben wird dann zwei unterschiedliche Räume“, erklärt der Kirchenmaler – alleine, was die Farbgebung betrifft. Immerhin: Das Gerüst steht schon da. So oder so, wenn alles gut geht, können Einheimische und Gäste schon im Oktober eine Langwinkl-Kirche in neuem Glanz erleben. Einzig die Finanzierung bereitet noch große Sorgen. Franz Hager, Chef des Fördervereins für die Langwinkl-Kirche, hatte seine Vorstandskollegen zur Baubesichtigung eingeladen. Alle zeigten sich tief beeindruckt, allen voran Günter Baumgartner, der seit Mai ja auch Bürgermeister der Gemeinde Bayerbach ist. „Weitere Herausforderungen brauchen wir nicht mehr, dafür noch viel Geld“, war er sich mit Franz Hager einig.

Wohl auch deswegen, weil Corona – wen wundert es noch – den rührigen Verein in seinen Aktivitäten regelrecht ausgebremst hat. Ein gewinnbringender Auftritt auf der Bayerbacher Gewerbeschau -Fehlanzeige. Das Aushängeschild, das „neue Bayerbacher Weinfest“, will man noch nicht absagen, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ein Weinfest unter Corona-Bedingungen kann sich freilich derzeit noch niemand so recht vorstellen.

„Deshalb gibt es heuer vergleichsweise wenig Spendenaufkommen“, sagt Franz Hager. Vielleicht ändert sich das ja mit der Aussicht, dass man das Kleinod in wenigen Monaten auch wieder einmal besuchen kann.

Text: Viktor Gröll