Die Pfarrei hat am Kirchweihsonntag auf ihr 125-jähriges Bestehen zurückgeblickt. Feierlich umrahmt vom Kirchenchor unter der Leitung von Rudi Goldbrunner zelebrierte Monsignore Rudolf Kallmaier den Festgottesdienst, während Kirchenpfleger Josef Sailer auf die Geschichte schaute. 

Schon beim Einzug war anhand der großen Ministrantenschar deutlich, dass es ein besonderer Gottesdienst war. Dankbar zurückblicken dürfe man auf die 125 Jahre, sagte Pfarrer Kallmaier eingangs. Er machte aber auch gleich klar, wie notwendig der Blick in die Zukunft ist. Deutlicher wurde er in seiner Predigt. Er bezog sich auf das zweite vatikanische Konzil, das die „Kirche als pilgerndes Volk Gottes“ dargestellt habe. Kirche sei also weit mehr als nur die Amtskirche. Pilgernd sei die Kirche, das Volk Gottes, deshalb, weil sie immer unterwegs sei – und damit auch immer reformbedürftig. Auch aktuell sei das so. Man wisse noch nicht, wie die Reformen ausgehen. „Aber es wird versucht, von ganzem Herzen“, sagte er zu den aktuell laufenden Bemühungen. 

Die Kirche selbst bestehe freilich aus allen Getauften. Es gebe viele Fragen, etwa warum die Kirchen immer leerer oder viele Kinder nicht mehr getauft werden, meint Kallmaier. Das hänge wohl auch damit zusammen, wie Glaube heute gelebt werde. „Christsein unter Vorbehalt“, betonte er. Es gehe darum, die Gegenwart nach dem Geist Christi zu leben und zu denken sowie die Zukunft anzunehmen und zu gestalten. Trotz aller Reformen bleibe der Glaube mit der Kernbotschaft gleich: „Gott hat ‚Ja‘ gesagt zu uns Menschen.“

Kirchenpfleger Josef Sailer sprach von einer sehr jungen Pfarrgemeinde. Mit Langwinkl, geweiht 1686, und Huckenham (im 12. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt) verfüge man über sehr alte Kirchen. Bayerbach und die Ortsteile seien kirchlich „immer mal hin- und hergeschoben worden“, so Sailer. „Mal waren wir bei Weihmörting, mal beim Kloster Asbach, mal beim Grafen von Ortenburg und mal beim Kloster Mondsee“, berichtete er aus der Geschichte. 

Im Jahr 1459 hieß es im Weihmörtinger Salbuch, dass der Bayerbacher Hofmarksherr „20 Mezen Korn“ und „10 Mezen Waiz“ für eine Ewigmess spendete. „Dies darf man als Grundstock für einen Priester sehen“, meinte der Kirchenpfleger. Allerdings hieß es dann 1558 in einem Visitationsbericht von Weihmörting: „Peuerbach hat von alter her zwei Priester gehabt, ist jetzt aber bei dem in Weihmörting ansässigen Pfarrer in Abschlag gekommen.“ Nach 1600 wurde von Vikaren in Bayerbach berichtet, die für so gut wie alle „pfarrlichen Angelegenheiten“ von der Wiege bis zur Bahre zuständig waren. 

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele Pfarreien in ihrem Umgriff neu geordnet. Bayerbach wurde nun zur eigenständigen Pfarrei. Langwinkl war Sailer zufolge anscheinend immer schon bei Bayerbach, denn beim Kirchenum- und -erweiterungsbau (1855 bis 1916) hieß es, dass man in dieser Zeit für Gottesdienste auf die etwa ein Drittel größere Wallfahrtskirche Langwinkl ausweichen musste. 1897 kam dann die Margaretenkirche von Huckenham noch zu Bayerbach.

Am 28. Februar 1894 verlieh der damalige Bischof Michael von Rampf Bayerbach den souveränen Pfarrsitz – wie er es damals formulierte „für die kirchliche und politische Gemeinde ein herausragendes Datum der Ortsgeschichte.“ Sailer zeigte dann ein Bild aus dem Jahr 1994, das der damalige Pfarrer von Asbach und Weihmörting am 23. Februar 1994 der Pfarrei Bayerbach zur Erinnerung schenkte und dazu schrieb: „Mein herzlicher Glückwunsch. Ich sehe Bayerbach als vielfältige, facettenreiche Kirchengemeinde.“ Dies ist – so Sailer – die Pfarrei Bayerbach nach wie vor. 

Viktor Gröll