Die vorhandenen Sitzplätze reichten in der Bayerbacher Pfarrkirche St. Petrus nicht aus, um allen Geburtstagsgästen gerecht zu werden. Stühle wurden in den hinteren Reihen aufgestellt, damit alle den Jubiläumsgottesdienst mit anschließendem Kirchenkonzert auch einigermaßen komfortabel verfolgen konnten.

Der Grund für den großen Auflauf lag auf der Hand: Das Bayerbacher Chörlein feierte seinen 25. Geburtstag. Viele Bayerbacher waren da, viele Vertreter aus dem gesamten Pfarrverband, aber auch viele Freunde und Wegbegleiter. Einer davon stand ganz vorne und zelebrierte gemeinsam mit Pfarrer Dr. Wolfgang Schneider und Pater Kuriakose den Gottesdienst: Moritz Sturny, langjähriger Bayerbacher Pfarrer und quasi der Gründer des Chörleins. Der Schweizer Geistliche ist mittlerweile 82 Jahre alt. Seine Popularität im Rottal ist freilich ungebrochen, wie sich zeigen sollte. „Es ist eine große Freude, dass Moritz Sturny angereist ist“, sagte Dekan Dr. Wolfgang Schneider eingangs und blickte fünf Jahre zurück. Damals wollte Sturny zum 20jährigen kommen, erlitt kurz zuvor aber einen Schlaganfall. Dieser zeichnet ihn noch heute körperlich. „Der Kopf ist aber voll da“, versicherte Sturny, der mit großem Applaus empfangen wurde. Dann wurde Gottesdienst gefeiert, den natürlich die Chormädels musikalisch umrahmten und auch ansonsten wesentlich mitgestalteten. Die Verkündigung des Evangeliums war Pater Kuriakose vorbehalten. Pfarrer Schneider ging in der Predigt natürlich auf das Chörlein ein und bemühte bei dessen Farbgebung – alles in Rosa – gleich einmal Wikipedia. Optimistisch, freundlich und positiv ordnete er wichtige Eigenschaften der Farbe, aber auch dem Klangkörper zu. „Damit kann man locker die Brücke zum Chörlein und zur Musik schlagen“, sagte er. Wer miteinander singe und Musik mache, entdecke Nuancen des Daseins, die anderen verwehrt bleiben. „Klang ist viel mehr als Physik“, sagte er. „Es verbindet, je mehr man aufeinander achtet. Man wird zum Klangkörper“, so der Geistliche. Jeder Ton, jeder Klang sei komplex. Was er damit meinte, demonstrierte er mittels einer Klangschale. „Es lässt besser verstehen, was als Überschrift zum Jubiläum gewählt wurde“, sagte er. „Ein Ton in Gottes Melodie“ hatte das Chörlein als Losung ausgegeben.

„Ich freu‘ mich narrisch“, entfuhr es Pater Moritz Sturny. Er sei immer mit Bayerbach verbunden geblieben, „und mit dem Chörlein sowieso“, betonte der charismatische Geistliche, der viele Jahre im Rottal wirkte.

Im Rahmen des Gottesdienstes wurden alle Chormädchen geehrt und erhielten kleine Erinnerungskreuze mit dem Motto des Tages. Eine ganz besondere Ehrung galt Verena Hanner. Sie übernahm mit gerade einmal 13 Jahren die Leitung des Chörleins und konnte nun ihr 20jähriges Chorleiterjubiläum feiern. Geschenke übergaben Magdalena Jetzinger für die Chormädchen sowie Dekan Dr. Wolfgang Schneider, Kirchenpfleger Josef Sailer und PGR-Vorsitzende Maria Hager für die Pfarrei.

Der Dank von Verena Hanner galt vor allem Moritz Sturny. Er gründete die rhythmische Gruppe und nannte sie – aufgrund der kleinen Besetzung – schlicht „Chörlein“. Dank sagte sie aber auch Pater Kuriakose, mit dem man vor Ort bestens zusammenarbeite, und Dekan Dr. Wolfgang Schneider, der von Anbeginn seines Wirkens im Rottal stets freundschaftlicher Begleiter und Ansprechpartner sei. Man wisse, dass die Renovierung der Wallfahrtskirche Langwinkl eine Herzensangelegenheit für Schneider sei. Das sei sie auch für das Chörlein. „Hier liegen unsere musikalischen Wurzeln, viele von uns wurden dort getauft, wir haben in vielen Hochzeiten und Taufen dort gesungen“, erklärte sie – kurz, man verbinde mit Langwinkl viele Emotionen und Erinnerungen, die man nicht mehr missen wolle. Deshalb sammelte das Chörlein an diesem Tag Spenden, um einen Grundstein für die wohl sehr teure Renovierung zu legen. Erinnerungen wurden an dieser Stelle wach, als das Chörlein seinerzeit seine Stimme für den Bau des Bürger- und Kulturhauses erhob, es aber nicht nur beim Fordern beließ, sondern mit sehr erfolgreichen Benefizkonzerten einen durchaus bedeutenden finanziellen Anteil beisteuerte. Das Bürger- und Kulturhaus ist heute Heimat des Chörleins und vieler anderer Gruppierungen. Für die Unterstützung beim Konzert dankte Verena Hanner den Chorpapas Karl Hartl am Schlagzeug und Rudi Schwarzbauer am Keyboard. Auch den Chörleinfamilien und Freunden, die das Zelt aufbauten und überall kräftig mithalfen, dankte sie, ebenso wie ihren Chormädchen. „Danke für die schönen Jahre“, meinte sie. Über den rosafarbenen Kirchenschmuck freute sie sich ebenso wie über das Jubiläumsbild, das Michaela Surner mit Hilfe von Chormädchen malte. Unterstützung kam auch von der heimischen Wirtschaft, von den Fischern, vom Sportverein und vom Skiclub. Freilich war damit noch lange nicht Schluss. Es folgte ein kleines Kirchenkonzert mit Chörlein-Evergreens, das für große Begeisterung, für viel Schwung, aber auch für einige Emotionen sorgte. Am Ende gab es „Standing ovations“ im vollbesetzten Gotteshaus, ehe im Bürger- und Kulturhaus und auf der Dorfwiese kräftig gefeiert wurde. Zumindest an diesem Tag war das Chörlein deutlich mehr, als ein Ton in Gottes Melodie.

Weitere Bilder finden Sie hier.